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Fantastische Spielkultur

20.07.2019 23:56:00 von Dimitri Wesselowski (Kommentare: 0)

Aachener Klavierduo Alina und Dimitri Wesselowski begeisterte

Nottuln. Wenn man den Weg des Aachener Klavierduos über die Jahre verfolgt, kann man die Begeisterung des Publikums am Sonntag bei "Weltklassik am Klavier" in der Alten Amtmannei verstehen. Denn Alina und Dimitri Wesselowski haben sich mittlerweile ein Renommee erspielt und an die Spitze vergleichbarer Duo-Formationen gesetzt. Dementsprechend groß war die Resonanz beim Publikum. Für ihr Konzert im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" hatten sie ein Programm zusammengestellt, das den Bogen von der Romantik zum Impressionismus spannte. Mit der relativ "leicht" zu spielenden "Petit Suite" von Claude Debussy bagan das Duo, konnte mit sehr differenzierter Klanggestaltung diesem angenehm zu hörenden Werk ein ganz lebendiges Gewand verleihen. Das typisch französische Flair dieser viersätzigen Suite mit Ihrem Harmoniereichtum im "En Bateau" und der Grazie und Anmut des Menuetts stimmte das Publikum bestens ein auf die kultivierte Art, mit der das Duo sich präsentierte. In der folgenden von Maurice Ravel angefertigten Transkription des "Prélude á L´aprés d´un faune" setzte sich dieser exquisite Eindruck fort. Diese Art klangmalerisch bestimmter Musik liegt dem Duo offenbar sehr. Ihre sehr ausgereifte Anschlagskultur setzen beide Künstler immer in den Dienst des musikalischen Ausdrucks. Wie virtuos und doch niemals klanglich überzogen Alina und Dimitri Wesselowski dann die Transkription von Léon Roques des dramatischen Balletts "Daphnis et Chloé" von Maurice Ravel interpretierten, war schon beachtlich. Fantasievoll gestalteten sie die drei Szenen dieser in Musik gesetzten spätantiken Liebesgeschichte. Nach der Pause ging es dann mit dem "Slawischen Tanz e-moll op. 72 Nr. 2" von Antonin Dvorak in romantische Welten. Die Interpretation dieses allseits bekannten Tanzes mit seinen stark folkloristschen Elementen bestach durch seine sehr elegante Art. Die aus der Ukraine stammenden Künstler wussten hier ihre musikalischen Wurzeln bestens einzubringen. Galant und mit Esprit spielten sie diesen in der Reihe der slawischen Tänze wohl schönsten Tanz. Für das große Finale ihres Konzertes hatten Alina und Dimitri Wesselowski ganz tief in der Schatzkiste des Repertoires für vierhändige Klaviermusik gegriffen. Die "Grande Sonata Brillante op. 10 c- Moll" von Carl Czerny aus dem Jahre 1820 ist die erste und gleichzeitig erfolgreichste von vier Sonaten, die Czerny für ein Klavierduo geschrieben hat. Diese Sonate war schon kurz nach ihrer Veröffentlichung so populär, dass der große Franz Liszt, ein Schüler von Carl Czerny, sie oft in seinen Konzerten mit wechselnden Partnern spielte. Hier zeigte sich eine Gefühlstiefe und Ausdrucksstärke, die man wohl bei dem für seine Etüden bekannten Carl Czerny so nicht gewohnt ist. Aber viele Elemente seiner "Schule des Virtuosen" hatten wohl Eingang in diese Sonate gefunden, die von Alina und Dimitri Wesselowski auch besonders brillant gespielt wurde. Hier zeigte das Duo eine bis ins kleinste Detail stimmige Spielweise. Das große Pathos des ersten Satzes, der selbst Johannes Brahms 30 Jahre nach Veröffentlichung zu seinem "Ungarischen Tanz Nr. 4 f-Moll" inspiriert hat, war bei Alina und Dimitri Wesselowski in besten Händen. Auch bei dem "Andante con sentimento" erstrahlten die wunderbaren Melodien über den filigranen Begleitfigurationen. Das abschließende "Rondo" gelang dem Klavierduo mit einer das Publikum mitreißenden Lebendigkeit und Spielfreude. Allein diese im Konzertleben äußerst selten zu hörende Sonate hätte den Konzertbesuch schon gelohnt. Für die stehend dargebrachten Ovationen bedankte sich das Duo dann noch mit einer köstlichen Miniatur, dem "Norwegischen Tanz A-Dur op. 35 Nr. 2" von Edvard Grieg. 

Alex Engels

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